Korsika  - Wilde Berge-weites Meer

von Walter Steinberg

Keine andere Mittelmeer-Insel vereint auf so engem Raum solche Gegensätze: Quirlige Städte existieren neben ursprünglichen Dörfern. Schneebedeckte Zweitausender erheben sich kaum zwanzig Kilometer vom glasklaren Meer entfernt. Schroffe Felsküsten im Westen stehen schier endlosem Sandstrand der Ostküste gegenüber. Neblige, kühle Buchenwälder thronen über duftender, sommerheißer Macchia. Bergbäche waschen seit Urzeiten ihr Bett in den Granit, gesäumt von einer Flora und Fauna, die weltweit oft nur hier auf dieser Insel anzutreffen ist. – Korsika ist zwar touristisch erschlossen, doch diese Regionen sind begrenzt. Immer noch dominieren einsame Bergwildnis, menschenleere Küstenabschnitte und urige Wälder die Insel. Korsika, das bedeutet deshalb auch: Abenteuer pur.

Seit vielen Jahren reisen der Profi-Fotograf Walter Steinberg und seine Frau, die Biologin Dr. Siglinde Fischer, auf ganz eigene Art durch die Wildnisse der Welt. Ihr Motto: „by fair means“ – unterwegs aus eigener Kraft. So ziehen sie auf Schneeschuhen bei unter minus dreißig Grad durch die klirrende Kälte Nordskandinaviens oder erkunden per Faltboot die Weiten Westkanadas und Alaskas. Korsika haben die beiden Korsika in den letzten zwanzig Jahren zu Fuß und per Paddel in mehreren Reisen erlebt. In dieser Schau zeigen die beiden ihren Zuschauern Korsikas wilde Seite:

Mehrmals sind sie dem legendären Fernwanderweg „GR20“ ganz oder teilweise durch das korsische Hochgebirge gefolgt – auch, um für den Bildband „GR20 – Korsikas Traumpfad“ zu fotografieren. Entstanden sind faszinierende Bilder der großartigen Gebirgsdurchquerung. Fischer und Steinberg waren zu verschiedenen Jahreszeiten auch in anderen Regionen Korsikas unterwegs, dokumentieren die karge Agriate-Wüste, steinzeitliche Fundstätten, wilde Täler des korsischen Gebirges. Wie immer haben sie sich mit neugierigen Augen Zeit genommen um Naturschönheiten zu portraitieren, die dem Blick der meisten Besucher der Insel verborgen bleiben: Laubfrösche, Landschildkröten und Korsisches Edelweiß zählen dazu.

Korsika wäre nicht Korsika ohne das Meer. Seine Küstenlinie mißt rund tausend Kilometer: Mit ihren Faltbooten sind Fischer und Steinberg ihr gefolgt – eine andere Art des Wanderns! Andauernder Libecciu-Sturm zwang die beiden, ihre Umpaddlung der Insel zu unterbrechen; die Fortsetzung war ungewiß. Nach Wochen der Unterbrechung wagten sie einen neuen Anlauf, und diesmal schien das Wetterglück auf ihrer Seite. In ihren Bildern bringen Fischer und Steinberg rote Felszacken, einsame Buchten und wilden Sandstrand mit. Ebenso Hafenstädtchen, das „Jachten-Orakel“ und den Blick unter die Wasseroberfläche – wo sich mit Taucherbrille und Schnorchel eine ganz neue Welt eröffnet.

Die beiden dokumentieren nicht nur Landschaften und ihr abenteuerliches Unterwegssein in einfühlsamen Bildern, sondern auch die Menschen, denen sie unterwegs begegnen. Voller Stolz folgen viele noch traditionellen Berufen. Messermacher und Töpfer ließen die beiden bei ihrer Arbeit zuschauen, ebenso Schäfer beim Käsemachen.

Neben faszinierenden Einblicken in Korsika‘s wilde Inselwelt läßt Walter Steinberg seine Zuschauer unmittelbar teilhaben an persönlichen Geschichten, die diese Multivision der beiden Vollblut-Abenteurer zu einem unvergeßlichen Erlebnis machen.

Portrait des Referenten

Walter wurde 1962 in Düsseldorf geboren. Als Jugendlicher verschlang er, was an "Outdoor-Literatur" zaghaft auf den Markt kam. Schon früh brach er allein zu seinen Reisen auf: Seit 1981 unternahm er verschiedenste Touren nach Lappland, Korsika, Italien, Island, Schottland, Grönland, Kanada, und immer wieder nach Alaska. Mittlerweile hat Walter in Alaska und Kanada über 14000 Kilometer im Kajak zurückgelegt und über eineinhalb Jahre in der Wildnis verbracht. Zwischendrin studierte er Fotoingenieurwesen in Köln, anschließend arbeitete er drei Jahre in Italien. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1992 verdiente Walter sein Geld vor allem in der Halbleiter-Industrie. Als Applikationsingenieur reichte sein Arbeitsplatz viele Jahre von Oregon, über Kalifornien, Spanien, Israel, Hongkong, Shanghai, Taiwan, Korea, bis nach Japan.

Siglinde kam 1961 in Lingen/Ems zur Welt. Sie guckt, solange sie denken kann, nach jedem Tier (und seit ein paar Jahren auch nach Walter). Klar, daß sie Biologie studiert hat. Nach ihrem Abschluß in Darmstadt forschte sie von 1993-1996 am Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Danach driftete sie als Freiberuflerin in die Biotechnologie-Branche an den Schreibtisch ab. Weil das aber zu theoretisch ist, fertigt sie mit zunehmender Begeisterung aus Speckstein Skulpturen - Tiere, was sonst. Siglinde war Warmreisende, bis sie Walter 1999 kennenlernte: Italien, Korsika, Borneo hat sie sich angeschaut, dabei gern Berge bestiegen. Seit sie mit Walter Sylvester 1999 auf dem Ätna verbracht und 2000 das erste Mal Alaska im Faltboot erkundet hat, hat der Nordlandvirus sie dauerhaft befallen.

Seither erkunden wir beide also gemeinsam die Wildnisse der Welt, jedesmal "by fair means", also ohne motorische Unterstützung: entweder mit Rucksack, Schlitten, im Kanu oder im Kajak.

2008 war für uns ein besonderes Jahr: der Beginn der beruflichen Selbstständigkeit mit dem, was unsere Leidenschaft ist: abenteuerliche Touren zu unternehmen, diese in Bild und Wort zu dokumentieren, andere an diesen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Bislang haben wir den Berufswechsel keine Sekunde bereut, auch, wenn wir noch nicht davon leben können. Doch das, was wir auf unseren Reisen sehen und erleben dürfen, ist ohnehin nicht mit Geld zu bezahlen und für uns jeden Tag ein großes Geschenk.

Und wenn wir nicht unterwegs sind, dann sind wir gern zu Hause in Möttau (der Perle des Hochtaunus!) und gehen unseren Hobbies nach: Lesen, Skifahren und Iglubauen im Winter, Rockclimbing im Sommer. Pflege Gartens und des Kleintierzoos (nur Siglinde).

 

Termine

DatumStadtOrtThema
21.01.2020
19:20 Uhr
Weil am Rhein
BZ und Thalia
Haus der VolksbildungKorsika
Wilde Berge - Weites Meer